Slim Borgudd: Avon Tyres erster Punkt in der Formel 1 - ATS Leichtmetallräder | Nothing beATS your performance

Slim Borgudd (ATS-Ford) verließ die Box während der Testfahrten auf dem Paul Ricard Circuit im Juni 1981. Foto: Grand-Prix-Foto

Avon Tyres blickt auf eine bewegte und traditionsreiche Geschichte im Motorsport zurück. Im Laufe der Jahre hat sich der britische Hersteller bei Rallyes, Bergrennen und vielen weiteren Kategorien einen Namen gemacht. Weniger bekannt ist hingegen die Zeit, als das Unternehmen in der Königsklasse der Einsitzerrennen mitmischte – in der Formel 1. Avon war zunächst in den 1950er-Jahren und dann erneut in den 1980er-Jahren als Reifenlieferant in der Formel 1 tätig. Daher fuhren viele talentierte Fahrer im Laufe ihrer Karriere auf Avon-Reifen, darunter die Weltmeister Jack Brabham und Keke Rosberg sowie die Grand-Prix-Sieger Michele Alboreto und Jochen Mass. Auch wenn mit Produkten von Avon keine Podestplätze, Siege oder Titel errungen wurden, so profilierte sich das in Melksham ansässige Unternehmen doch bei 29 sporadischen Auftritten in sechs Saisons. Es begann mitten in der Saison 1954 in Silverstone mit dem Fahrer Reg Parnell vom Team Scuderia Ambrosiana und endete 1982 in Dijon-Prenois mit Rupert Keegan und Raul Boesel im Cockpit des March 821. Der 11. Auftritt von Avon beim Großen Preis von Großbritannien 1981 war jedoch zweifellos der denkwürdigste.

Vor der Saison 1981 war völlig unklar, welche Reifenhersteller die Formel 1 beliefern würden. Goodyear hatte sich kurzfristig aus der Formel 1 zurückgezogen. Der Mitbewerber Michelin sprang in die Lücke und rüstete alle Teams mit einem Standardreifen aus. Beim vierten Saisonrennen in San Marino traten Avon und Pirelli als Reifenlieferanten auf den Plan, und auch Goodyear überlegte es sich anders und kehrte mitten in der Saison mit Williams, Brabham und Lotus zurück. Avon stattete zunächst die Fahrer Chico Serra und Keke Rosberg von Fittipaldi Automotive und anschließend auch den March von Derek Daly, den Ensign von Eliseo Salazar und den Theodore von Marc Surer aus. Der Durchbruch gelang aber gemeinsam mit ATS und Slim Borgudd. Der deutsche Hersteller von Leichtmetallrädern ATS – kurz für Auto Technisches Spezialzubehör – trennte sich nach dem Rennen in Frankreich vom französischen Reifenhersteller Michelin und wechselte ab dem Großen Preis von Großbritannien zu Avon-Reifen.

Slim Borgudd (ATS-Ford) vor Jean-Pierre Jarier (Tyrrell-Ford) beim Großen Preis von Italien 1981 in Monza. Foto: Grand-Prix-Foto

„Es war viel Politik im Spiel“, beschreibt Borgudd die damalige Reifensituation in der Formel 1. „Beim Qualifying für den Großen Preis von Frankreich in Dijon konnte ich mich nicht durchsetzen. Danach sagte man uns, es gebe keine Reifen … ‚Wir brauchen aber Reifen!‘, sagte ich. Also wechselten wir ab dem Großen Preis von Großbritannien zu Reifen von Avon. Die waren richtig gut. In den vorherigen Rennen war ich mit Michelin-Reifen gefahren, sodass ich einen guten Vergleich hatte.“ Was dann folgte, ging in die Motorsportgeschichte von Avon ein.

Nachdem sich Borgudd bei den vorherigen vier Rennen nicht qualifiziert hatte, erreichte er bei der notorisch schwierigen Vorqualifikation in Silverstone den 21. Startplatz und lag damit vor Talenten wie Elio de Angelis, Eddie Cheever und Nigel Mansell. In einem von zahlreichen Ausfällen geprägten Rennen nahm der schwedische Fahrer – der aufgrund seiner Nebentätigkeit als Studio-Schlagzeuger bei ABBA das Logo der Band auf seinem Auto präsentierte – seine Chance wahr. Er hielt sich aus allem heraus und arbeitete sich kontinuierlich nach vorne. Nachdem seine Rivalen einer nach dem anderen ausgefallen waren, erreichte er schließlich als Sechster die karierte Zielflagge. Es war nur ein einziger Punkt, aber für ATS und Avon bedeutete er eine Menge.

Slim Borgudd (ATS-Ford) in der Box mit Teamchef Alistair Caldwell während des Trainings für den Großen Preis von Italien 1981 in Monza. Foto: Grand-Prix-Foto

„Damals gab es nur bis zum sechsten Platz Punkte, sodass es sehr schwierig war, einen Punkt zu bekommen“, erinnert sich Borgudd und schmunzelt bei dem Gedanken an den Erfolg, den er, das Team und Avon erzielt hatten. „Es bedeutete jedem von uns sehr viel. Es war, als hätte man den Nobelpreis gewonnen. Außerdem musste das Team nicht selbst für die Transportkosten aufkommen. Normalerweise trug das Team die Kosten für den Transport der Rennwagen per Flugzeug oder Schiff zu den Rennen selbst, aber dieser eine Punkt bedeutete einen kostenlosen Transport für das ganze nächste Jahr. Ich habe noch ein Bild einer Trophäe mit Avon darauf, weil jemand zu uns kam und darauf aufmerksam machte, dass wir als einzige tatsächlich einen Punkt auf Avon-Reifen erreicht hatten.“

John Watson, der den Großen Preis für McLaren gewann, erinnert sich gern an die gemeinsame Zeit mit Borgudd im Fahrerlager und lobt dessen Leistung. „Slim war immer sehr entspannt und umgänglich“, erzählt Watson. „Einige Fahrer sind verschlossen und introvertiert, aber Slim war sehr offen. Mit seinem Hintergrund in der Popmusik wusste er, wie es ist, auf einer Bühne zu stehen. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Punkt in der Formel 1. Das ist ein wirklich wichtiger Moment, vor allem damals, als nur bis zum sechsten Platz Punkte vergeben wurden. Für jeden Fahrer ist der erste Punkt ein Meilenstein.“ Es sollte Borgudds einziger Punkt in der Formel 1 bleiben. Nachdem er bis zum Ende der Saison 1981 bei ATS geblieben war, fuhr er 1982 noch drei Rennen mit Tyrrell. Cheever, Salazar und Manfred Winkelhock holten sieben weitere Punkte auf Avon-Reifen. Borgudds beherztes Rennen in Silverstone wird jedoch unvergesslich bleiben.

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